Toleranz beginnt bei deinem Spiegelbild

Warum ist es so wichtig, über Toleranz zu sprechen? Dieses Zitat bringt es recht gut auf den Punkt:

„Intoleranz – der Anfang des Krieges. Toleranz – Der Anfang des Friedens.“ Alfred Selacher

Ich möchte hier heute allerdings weniger über die Toleranz gegenüber fremden Kulturen und Religionen sprechen, sondern über die „Alltags-Toleranz“. Darüber wie wir den Menschen in unserem täglichen Leben begegnen. Und natürlich darüber, was das mit deinem Spiegelbild zu tun hat.

Was Toleranz bedeutet

Über Toleranz wurde und wird viel geschrieben und diskutiert. Ich möchte mit diesem Artikel nicht in diesen Diskurs einsteigen, denn mir geht es hier nicht um eine Definition. Mir geht es darum, dass du dich mit dir selber auseinandersetzt, dich und deine Gedanken hinterfragst und einen Ansatzpunkt findest, wenn du etwas verändern möchtest. Es ist jedoch wichtig, dass wir von der gleichen Sache sprechen. Daher möchte ich kurz sagen, was ich im Rahmen dieses Artikels damit meine.

Für mich bedeutet es, Menschen so anzunehmen, wie sie sind bzw. so, wie ich sie wahrnehmen kann. Ich bin mir bewusst, dass ich nur einen kleinen Teil des Menschen sehe und somit mein Eindruck unvollständig ist. Aufgrund dieses Eindrucks will ich den Menschen als solchen nicht bewerten, sondern ihn als Mensch anerkennen. Toleranz bedeutet, ihn so zu nehmen, ohne seinen Wert als Mensch zu steigern oder zu schmälern. Ich kann lediglich entscheiden, ob er mir gut tut oder nicht. Das ändert jedoch nichts an seinem Wert als Mensch. Es heißt auch, meine Vorurteile zu erkennen aber nicht als Wahrheit anzunehmen. Toleranz hat also nichts mit meinem Gegenüber zu tun, sondern ist meine innere Haltung. Oder besser gesagt ist es die Haltung, die ich anstrebe. Denn auch mir gelingt das mal besser und mal schlechter.

„Toleranz ist eine Haltung, die ich anstrebe.“

Toleranz dir selber gegenüber

Wie lässt sich das nun übertragen auf deine Haltung dir selber gegenüber? Stelle dir einmal folgende Fragen:

  • Bist du dir bewusst, dass du dich nur aus deinem Blickwinkel siehst und dein Eindruck von dir daher vermutlich unvollständig ist?
  • Ist dir bewusst, dass du dich jeweils so siehst, wie du gerade bist? Also mal positiver und mal negativer, dies aber nur etwas mit deiner Sichtweise zu tun hat?
  • Ist dir bewusst, dass du dir selber gegenüber einen Haufen Vorurteile hast, die sich aus deiner Vergangenheit und deinen Erfahrungen ergeben?
  • Ist dir bewusst, dass dein Wert als Mensch nichts damit zu tun hat, wie du dich derzeit siehst?
  • Kannst du die Version deiner selbst, die du derzeit siehst, annehmen, ohne deinen eigenen Wert als Mensch anzuzweifeln?
  • Bist du bereit, deine Ansicht über dich zu erweitern, wenn du mehr über dich lernst und sich dein Bild vervollständigt?
  • Bist du bereit, dich aus den Schubladen, in die du dich gesteckt hast, auch wieder rauszuholen?
  • Ist dir bewusst, dass deine Ansicht über dich selbst deiner inneren Haltung dir gegenüber entspringt und bist du dir bewusst, dass du an dieser Haltung etwas verändern kannst?

Was bewirken diese Fragen bei dir? Bei mir bewirken sie eine große Erleichterung und Befreiung. Sie nehmen Druck raus und ich fühle mich mir selber deutlich näher. Betrachte diese Fragen nicht mit dem Anspruch, eine richtige Antwort zu finden. Nimm sie als Einladung, dich selber wohlwollender zu betrachten und dich selbst zu entdecken.

Sie machen dir vielleicht aber auch deutlich, dass du dich noch nicht so sehr annimmst, wie du vielleicht möchtest. Schauen wir uns doch einmal an, was das für Auswirkungen auf den Umgang mit anderen haben kann.

Ist dir bewusst, dass du dir selber gegenüber einen Haufen Vorurteile hast,
die sich aus deiner Vergangenheit und deinen Erfahrungen ergeben?

Wie wir andere sehen, wenn wir uns selber nicht annehmen

Wenn wir uns selber nicht akzeptieren wie wir sind. Wenn wir unsere Stärken und Schwächen nicht kennen und lieben, dann passiert es sehr oft, dass wir unsere Mitmenschen entweder besonders schlecht oder besonders positiv sehen. Welche Formen das annehmen kann und wie sie sich äußern möchte ich kurz erläutern:

Du siehst jemanden besonders negativ
Du machst denjenigen also schlechter als er ist, damit du daneben besser aussiehst. Du siehst nur die Fehler des anderen und bist gar nicht wirklich bereit überhaupt anzunehmen, dass er auch positive Seiten haben kann.

Du siehst jemanden als besonders strahlend
Du hebst denjenigen auf ein Podest und machst ihn zum Helden. Du siehst ausschließlich die positiven Seiten und ignorierst alle Schwächen. Derjenige steht in deinen Augen über dir und ist besser als du.

Du siehst jemanden besonders strahlend, kannst es aber nicht aushalten
Auch hier hebst du denjenigen auf ein Podest und siehst nur die positiven Seiten. Du kommst jedoch mit dem vermeintlich großen Unterschied zwischen ihm und dir nicht zurecht und machst dich daher auf die Suche nach Fehlern.

Meist geht es bei den unterschiedlichen Menschen mal mehr in die eine, mal mehr in die andere Richtung. Oft haben wir aber auch eine präferierte Form andere zu sehen und zu bewerten. Wie ist das bei dir? Hast du dich in den drei Varianten wiedererkannt?

Alle drei Varianten haben jedoch nichts mit Toleranz oder Akzeptanz zu tun. Denn Toleranz heißt, dass du jemanden tolerierst wie er ist. Wenn du ihn aber gar nicht erst siehst, wie er ist, sondern ihn besonders schlecht oder besonders gut darstellst, dann tolerierst du höchstens eine Scheinversion desjenigen.

Doch wie sollst du auch jemand anderen sehen und annehmen wie er ist, wenn du das bei der Person, mit der du 24 Stunden am Tag zusammen bist nicht tust? Erst wenn du dich mit all deinen Stärken und Schwächen als die wundervolle Person sehen kannst, die du bist. Erst wenn du mit dir im Reinen bist hast du nicht mehr das Bedürfnis, dich mit den anderen zu vergleichen und dich über sie zu definieren. Erst dann bist du bereit, die Menschen in deinem Umfeld zu sehen wie sie sind. Und erst dann kannst du sie in all ihrer Großartigkeit sehen und annehmen, denn es hat keinen Einfluss mehr darauf, wie du dich selber siehst.

„Ein toleranter Mensch ist offen für alles, was anders ist, ohne sich selbst dabei aufzugeben!“ Gudrun Zydek

Ich gehe sogar soweit, dass Toleranz gar keine Frage mehr ist, sobald du mit dir im Reinen bist und dich selber liebst.

Toleranz beginnt bei deinem Spiegelbild

Toleranz beginnt meiner Meinung nach also tatsächlich bei deinem Spiegelbild bzw. bei deinem Selbstbild. Wie du dies verbessern kannst, habe ich hier in 12 konkreten Tipps beschrieben.

Wie siehst du das? Stimmst du meiner Sichtweise zu oder siehst du es anders? Erzähle es mir in den Kommentaren.

Alles Liebe, deine Esther

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